A link to a short biography in English : http://www.encyclopedia.com/topic/Boris_Karloff.aspx#2 See this (copyrighted) article below the German biography - please scroll down.

A signed photo - and a "Mummy" stamp
A signed photo - and a "Mummy" stamp

 

FRANKENSTEIN-MONSTER UND ENGLISCHER GENTLEMAN

 

 Boris Karloff (1887-1969)

 

 

Unter dem Namen William Henry Pratt wurde er, 12. und jüngstes Kind des wohlhabenden anglo-indischen Steuerinspektors und Kolonialbeamten Edward John Pratt Jr. (* Bombay / Indien 1826), am 23. 11. 1887 in London-Camberwell, heute East Dulwich, geboren.

 

Seine ebenfalls anglo-indische Mutter Eliza Sara geb. Millard (* Poona / Indien 1848) war die Nichte der berühmten Schriftstellerin Anna Leonowens, die das Buch Anna and The King of Siam schrieb, das später als Musical The King And I mit Yul Brynner verfilmt wurde.

 

Die Upper Class-Familie zerbrach, als Billy 1 ¾ Jahre alt war : die Mutter trennte sich vom Vater, einem strengen Tyrannen, der sich wohl lebenslang - als „farbiger Engländer“ - um eine Offiziers-Karriere betrogen fühlte, wie sie sein „weißer“ Vater, ein Seeoffizier, gemacht hatte.

 

Nun mussten Billys erwachsene Brüder, allesamt Akademiker, z.T. Diplomaten in Indien und China, für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Der liebenswerte, gutmütige Billy – dunkelhäutig, mit rachitischem rechtem Bein, Stotterer – besuchte wie seine Geschwister das Gymnasium. Ab dem 16. Lebensjahr wurde er auf die Public School „Uppingham“ geschickt, eine Elite-Privatschule der britischen Oberschicht.

 

Dort lernte der stille, sanftmütige Junge nicht nur Latein und Französisch, höhere Mathematik, Natur– und Geisteswissenschaften, Klavierspielen, sondern wurde auch ein Rundum-Sportler : Cricket, Rugby, Hockey, Schwimmen. Cricket begeisterte ihn, außerdem wurde er einer der besten Rugby-Fußballer der Schule. Durchs Singen im Schulchor kurierte man das Stottern und Lispeln des Jugendlichen. Und er wurde zum Aristokraten und Gentleman erzogen („Ich war der kleine Lord Fauntleroy“, ulkte er).

 

Seine von ihm abgöttisch geliebte schöne, kluge Mutter Eliza Sara - an endogenen Depressionen erkrankt - starb mit 58 Jahren, als Billy 19 war : er vermisste sie, der er wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sah, sein Leben lang. Auch sein Lieblingsbruder George, Arzt und Hobby-Schauspieler, starb früh. Seine weitere Erziehung übernahm nun seine Halbschwester Emma, Ex-Direktorin einer Mädchenschule am Himalaya.

 

Billy Pratt verließ Uppingham mit dem Abitur und studierte am Kings College der University of London „Chinesisch und chinesisches Brauchtum“, um als Diplomat seiner Majestät King Edward VII nach China abgesandt werden zu können.

 

Doch : viel lieber besuchte er im Westend Theatervorstellungen – denn seitdem er mit 9 Jahren in der „Christmas Pantomime“ seiner anglikanischen Kirchengemeinde in London-Enfield den finsteren Dämonenkönig gespielt hatte, wollte er zur Bühne. Seine Brüder versuchten verzweifelt, Billy das „vornehme und standesgemäß würdevolle Leben“ eines Diplomaten schmackhaft zu machen, aber der Jüngste spürte das fire in the belly des geborenen Schauspielers.

 

1909 entfloh der 21-jährige William dann dem Muff und Chaos seiner Oberschicht-Familie endgültig – er warf sein Studium hin, schiffte sich auf dem Übersee-Dampfer Empress of Britain ein, einem Vorläufer der Titanic, und genoss das Abenteuer einer Atlantiküberquerung. Leider ohne seine damalige Verlobte, Studentin Alice Roe, die er an Bord des Oceanliners hatte heiraten wollen. 10 Tage später war er in Toronto, Kanada : er hatte daheim eine Münze geworfen, die andere Penny-Seite wäre Australien gewesen.

 

Doch leider verließ den Spross der Upper Class in der Neuen Welt das Glück : er hatte nun 20 Jahre Not, Elend und häufige Arbeitslosigkeit vor sich. Billy – der als Schauspieler keine Chance bekam, weil er so dunkelhäutig und exotisch aussah - verdingte sich in Kanada u.a. als Landarbeiter, legte Schienen und Gleise (für 25 Cent die Stunde, 12 Stunden am Tag), hob Gräben aus und schaufelte Kohle.

 

Kurz arbeitete er auch als Immobilienmakler und Landvermesser in Vancouver, heiratete dort mit 22 die Exil-Engländerin Grace Harding – und dann, endlich, gelang ihm ein Engagement an einer Wanderbühne, wo er sein Theater-Handwerk von der Pike auf erlernte. Von nun an nannte er sich Boris Karloff. Der blendend aussehende, hochgewachsene Gentleman musste aber in der Rolle eines 60-jährigen in Franz Molnars Der Teufel debütieren : im Charakterfach.

 

Durchs Herumreisen ging seine Ehe rasch in die Brüche, aber beide Partner trösteten sich schnell mit anderen Gefährten. Boris blieb bei diesen in den USA tingelnden Theatertruppen, bis er 32 Jahre alt war : doch seine Gagen waren so gering – und gelegentlich gab's auch überhaupt kein Geld – dass er oft Hunger und Elend erlebte. Manchmal aß er den ganzen Tag lang nur ein Ei, das er sich im Pensionszimmer auf dem eigenen Bügeleisen briet, und eine Dosensuppe : mittags die Suppe und abends das Suppenfleisch.

 

Seine Theaterreisen führten ihn schließlich nach Los Angeles, wo er u.a. mit seiner damaligen Lebensgefährtin Olive de Wilton im Varieté auftrat – für den frühen Film in Hollywood interessierte sich der Theaterschauspieler zunächst nicht. Doch dann führten ihn seine Arbeitslosigkeit und Armut ins Filmstudio, und in seinem Erstling His Majesty The American (1919) jagte er dann als Statist den Star Douglas Fairbanks übers Studio-Außengelände.

 

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts ergatterte Boris einige gut bezahlte Stummfilmrollen, meistens als Kleindarsteller, doch auch in größeren Parts : fast immer als Filmschurke. Dass er, ein distinguierter englischer Gentleman, der privat Cricket spielte und sich durch die Weltliteratur der Leihbibliotheken las, das absolute Gegenteil seiner Rollen war, interessierte nicht. Er sah „dunkelhäutig“ aus, und somit wurde er eben auf Bösewichter abonniert. Niemand erkannte, was für ein brillanter Darsteller dieser junge Mann war.

 

Um nicht zu allem Elend auch noch einsam zu sein, heiratete Boris noch zweimal – 1920 die Musikerin Laurena Williams, 1924 die Tänzerin Polly (bürgerlich : Helen Vivian Soule) – und von 1923-25 musste er sich dann mit Lastwagenfahren und dem Schleppen 150 kg schwerer Gipsgefäße (für 30 Cent pro Std) über Wasser halten, weil der Kinofilm in Hollywood gerade eine Flaute erlebte.

 

Doch danach spielte er wieder seine Nebenrollen als „dunkler“ Filmbösewicht. 1929 lernte er bei der Bücher-Ausleihe in Los Angeles die dortige Diplom-Bibliothekarin kennen : Dorothy (28), eine schöne, elegante Juristentochter. Große Liebe entflammte auf beiden Seiten – und der nun 42-jährige, oft arbeitslose Boris führte sie zum Traualtar, als mittlerweile vierte Gattin (er verschwieg später seine ersten 3 Fehlversuche). Für Flitterwochen war kein Geld da.

 

Sie teilte seine Interessen (Bücher, Hundezucht, Gärtnern usw) und seine Armut mit ihm, finanzierte den Haushalt fast nur mit ihrem Gehalt, man lebte in einem erbärmlichen Häuschen, „die Hütte“ genannt. Doch nun – endlich – geschah das Wunder, an das nur noch Boris geglaubt hatte : er bekam eine Theaterrolle, in der er die Bandbreite seines großen Talents zeigen durfte - als Häftling Ned Galloway im sozialkritischen Theaterstück The Criminal Code.

 

Es hagelte beste Kritiken, das Ganze wurde von Hollywood-Legende Howard Hawks verfilmt, und Boris konnte sich nun vor Film-Angeboten kaum noch retten – der arbeitssüchtige Workaholic nahm fast jedes Engagement an, und binnen Jahresfrist lebten die Karloffs in einem Luxushaus am Toluca Lake mitten in der Filmstadt. Und dann winkte auch noch der Weltruhm. Universal suchte für den ersten ganz großen „Horrorfilm“ der Kinogeschichte, Frankenstein, einen Schauspieler : der das MONSTER darstellen sollte.

 

Boris zögerte nicht, bestand mit Maskenbildner Jack Pierces genialer Schreckensmaske den Eignungstest : u.a. weil er, wie kein anderer, bereit war, auch noch ein schweres Kostüm und 30 cm hohe Bleischuhe – insgesamt knapp 50 kg – am Körper zu tragen. Die Maske bestand aus Chemikalien wie dem Lackverdünner Kollodium, musste mit Azeton schmerzhaft abgerissen werden, und der 1,83 m große Boris wurde durch Metallstützen auf einer Riesengröße von knapp 2,10m gehalten.

 

Frankenstein-Regisseur James Whale ruinierte auch noch durch 8-stündige Takes derselben Szene Boris' (schon angeschlagenen) Rücken – in den ständigen Wiederholungen musste Monster Boris den Baron Frankenstein permanent einen Hügel und eine Windmühle hochtragen. Mit diesem damals neuartigen Horrorfilm wurde Karloff 1931 – nach 20 Jahren und 87 Kinofilmen - „über Nacht“ weltberühmt. Über den Filmtiteln prangte er als KARLOFF, wie u.a. die GARBO.

 

Er spielte nämlich keineswegs das „synthetische Monster“, das grunzend Grusel verbreitet, sondern ihm gelang ein Meisterstück, eine geniale Interpretation, die das Publikum zu Tränen rührte : es war die Story eines Außenseiters, von der Gesellschaft missachtet, an den Rand gedrängt, erniedrigt – nur deshalb, weil er anders aussah als seine Mitmenschen. Es war Boris Karloffs eigene Geschichte.

 

Das toppte er danach noch mit seiner Darstellung der „Mumie“ in The Mummy (1932), die ihn als Weltstar und „König des Horrorfilms“ etablierte. Als Mumie ließ er sich von Kopf bis Fuß in speziell getrocknete Leinentücher einwickeln und sich dann durch Jack Pierces Chemikalien die Haut mumienhaft einschrumpfen, wodurch er - vor allem durch die am Hals eingequetschten Atemwege – mehr als zwölf Stunden lang nur mit Mühe Luft holen konnte. Und im Gegensatz zum gruseligen Aussehen stand nun seine sanfte, elegante Darstellung, mit der er erneut in die Kinogeschichte einging.

 

1933 gründete der stets sozial und politisch engagierte Boris unter großem Berufsrisiko mit einigen Kollegen die US-Filmschauspielergewerkschaft Screen Actors Guild, heute die größte derartige Gewerkschaft der Welt. Er kehrte 1933 und 1936 zu Filmarbeiten kurz nach England zurück, wurde jedoch nie US-Amerikaner. 1938, an seinem 51. Geburtstag, schenkte ihm Dorothy seine einzige Tochter Sara Jane.

 

Ab 1941 wurde Boris Broadwaystar : in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben wurde - in einem der erfolgreichsten Theaterstücke in der New Yorker Bühnengeschichte : der Erstaufführung der schwarzen Komödie Arsen und Spitzenhäubchen. Er spielte in 3 ½ Jahren 1.444 Mal den irren Massenmörder Jonathan Brewster. Das Stück war nicht zuletzt wegen einer Zeile so extrem populär. Jonathans Assistent fragt ihn: „Warum hast du den netten Autofahrer ermordet, der uns mitgenommen hat ?“ Jonathan : „Weil er gesagt hat, ich sähe aus wie Boris Karloff“. (Womit aber sein Horror-Image gemeint war !). Dieser Text gefiel dem uneitlen Star ungemein.

 

An dieser Dauerrolle und an Boris' Arbeitssucht zerbrach dann leider auch seine vierte Ehe, und er fand heraus, dass Dorothy ihn seit Jahren mit Edgar, einem Rechtsanwalt, betrog. Boris erwirkte gemeinsames Sorgerecht für Sara Jane und teilte mit deren Mutter großzügig sein als Selfmademan erarbeitetes Millionenvermögen.

 

Nach der Scheidung heiratete Dorothy den Anwalt, und auch Boris ehelichte (1946) erneut : die 17 Jahre jüngere Londoner Ex-Schauspielerin Evie Hope Helmore, seine nächste „große Liebe“ und 5. Gattin. Diese Ehe hielt 23 Jahre lang, bis er starb.

 

Der Weltstar fiel nie mehr von der Karriereleiter, und bereitwillig ließ er sich lebenslang in die Horror-Schublade stecken : er wusste, dass sein Publikum ihn als Gruselstar sehen wollte, und das sicherte ihm – nachdem er ja 20 Jahre bitterster Armut erlebt hatte – sein Einkommen.

 

Allerdings achtete er als etablierter Hollywoodstar mit Intelligenz und Geschick darauf, nicht in Primitiv-Werken verheizt zu werden. Das Frankenstein-Monster stellte er nur drei Mal dar, danach überließ er diese Rolle, von der er sagte, „Das Monster war mein bester Freund“, seinen Kollegen.

 

Immer wieder spielte er Parts, in denen sein überragendes Talent aufblitzte : z.B. die Zwillingsbrüder Gregor und Anton de Berghman in The Black Room (1934), wobei er nicht nur diese Geschwister ganz unterschiedlich charakterisierte (samt schwieriger früher Tricktechnik, die er ständig beachten musste), sondern worin er auch noch eine „dritte“ Rolle spielte, in der Gregor vortäuschte, Anton zu sein. Dafür gab's einen Preis der Screen Actors Guild.

 

Non-Horror“-Filmrollen stellte Boris auch dar, aber leider viel zu selten : meistens waren es dann Komödien, in denen sich der humorvolle Star als begabter Comedian erwies – wie z.B. als sympathischer Erfinder in Night Key (1937) und als kultivierter chinesischer Detektiv Wong. Oder in Non-Horror- Dramen : u.a. als unschuldig Bestrafter in The Invisible Menace (1938) oder als unschuldig zu Zuchthausstrafe verurteilter Arzt in Devil's Island (1938).

 

Man kann mit Recht behaupten, dass Boris auch weniger guten Filmen durch seine Schauspielkunst eine Art von Ritterschlag verlieh.

 

In den 1940er Jahren arbeitete er für den brillanten Ausnahme-Produzenten Val Lewton, und sein bester Film aus dieser Epoche ist The Body Snatcher (1946). Seine Darstellung des höflichen Leichendiebs John Gray war Oscar-verdächtig, doch Gewerkschaftler Boris lehnte zeitlebens diesen Preis der Filmindustrie standhaft ab.

 

Mit Vorliebe arbeitete er auch als charismatischer Nebendarsteller in legendären Produktionen mit – so als Psychiater mit Danny Kaye in The Secret Life of Walter Mitty, als Indianer-Häuptling in Cecil B. De Milles Unconquered, mit Gary Cooper ; und neben Lucille Ball war er ein irrer Modeschöpfer in Douglas Sierks Lured (alle Filme 1947).

 

Workaholic Boris, der völlig in seinem Beruf aufging, für seine Arbeit lebte, war auch in anderen Medien tätig : ab 1934 im US-Radio, wo er hauptsächlich sein Horrorimage verulkte - in humorvollen Sketchen mit Kollegen. Als in den späten 1940er Jahren sanfte Horrorfilme nicht mehr so populär waren, debütierte Boris im US-Live-Fernsehen – in dem er in 88 Hauptrollen und drei TV-Serien spielte. Dem gegenüber stehen seine insgesamt 164 Filmrollen.

 

Auch im Theater spielte er in drei weiteren Broadway-Inszenierungen die Hauptrolle : On Borrowed Time (1946), The Linden Tree (1948), The Shop on Sly Corner (1949). 1950 trat er dann am Broadway in Peter Pan auf – in Leonard Bernsteins Musicalfassung spielte und sang er die Doppelrolle des legendären Piraten Captain Hook und des netten Mr. Darling.

 

Darauf folgte 1955 die Broadway-Inszenierung von Jean Anouilhs Drama Die Lerche, mit Boris (68) in der Rolle des gütigen Bischofs Pierre Cauchon – an der Seite der 29-jährigen Julie Harris als Johanna von Orléans. Diese ernste Rolle, von Boris brillant und zu großem Kritikerlob dargestellt, war für ihn der „Höhepunkt seiner Karriere“. Für diese Glanzleistung erhielt Boris die Nominierung zum Tony-Theaterpreis für den besten männlichen Schauspieler des Jahres 1955.

 

Mit seiner berühmten Stimme – er war einer der meist beschäftigten Sprecher seiner Generation – nahm er ebenfalls unzählige Schallplatten auf, und für die Sprechplatte How The Grinch Stole Christmas (1966) erhielt er den Grammy : der ebenfalls von ihm gesprochene gleichnamige Trickfilm ist bis heute eine US-Weihnachts-Legende. Rudyard Kiplings Just So Stories brachten ihm eine Grammy-Nominierung ein.

 

1963 wurde Boris - nun Mitte 70 - in Roger Cormans Poe-Verfilmungen tätig : in The Raven und Comedy of Terrors (1963). Für Cormans The Terror (1963) arbeitete er mit dem Nachwuchsdarsteller Jack Nicholson zusammen.

 

Nachdem bei dem 70-jährigen Boris, einem starken Raucher, 1957 (im Anschluss an seinen Auftritt in der TV-Livesendung This Is Your Life) ein Lungenemphysem und COPD festgestellt worden waren, erlitt er – vor der Kamera gern sein eigener Stuntman ! - bei Dreharbeiten in Italien 1964 eine hartnäckige Lungenentzündung. Ein Lungenflügel kollabierte. Außerdem hatte er eine schwere Arthritis, ein kaputtes Knie und sein schlimmes Rückenleiden.

 

Von dem Lungenkollaps erholte er sich nie wieder vollständig, und er war nun häufig auf eine Sauerstoffmaske, immer auf einen Gehstock und oft sogar auf den Rollstuhl angewiesen.

 

Trotzdem spielte der Arbeitssüchtige weiter, und sein letzter großer Film, sein Abgesang, wurde im Jahr 1968 das großartige Drama Targets für den legendären Regisseur Peter Bogdanovich. Er stellte darin den alternden Horrorstar Byron Orlok dar – im Grunde sich selbst (nur war Boris privat nicht so mürrisch, sondern stets liebenswürdig und warmherzig). Der Film vergleicht Orloks viktorianischen „Schrecken“ mit dem höchst realen Terror einer modernen Welt. Boris sagte : „Echter Horror ist das, was der Mensch dem Menschen antut.“

 

Der Unterschied zum „echten“ Karloff war es auch, dass er weder die Filmindustrie hasste noch den Ruhestand antreten wollte. Er hatte keine Star-Allüren, war nie schwierig und brachte auch noch viele eigene Ideen ins Targets-Drehbuch ein.

 

Boris spielte buchstäblich bis zum letzten Augenblick seines Lebens – er wollte „auf der Bühne sterben“, was ihm allerdings nicht ganz gelang. 1968, wenige Monate vor seinem Ableben, arbeitete er noch für Jack Hill an vier Horrorfilmen gleichzeitig ; 12 Wochen vorm Tod spielte der 81-jährige noch fürs US-Fernsehen. [48 Stunden vorm Dahinscheiden sprach er in der Klinik seine letzten Texte für Werbeaufnahmen des „Reader's Digest“ !]

 

Nach einer 3. Lungenentzündung, die er sich während des Rückflugs von Hollywood nach London auf dem New Yorker JFK Airport zugezogen hatte, und nach zweieinhalb monatigem Klinik-Aufenthalt starb Boris Karloff am Sonntag, 2.2. 1969, in Midhurst (bei London) : wie gewünscht in seiner Heimat England, in der er seit 10 Jahren erneut gelebt hatte - nach 50 Jahren in der Neuen Welt Amerika.

 

Betrauert wurde er nicht nur von seinen Angehörigen und Freunden, sondern auch von berühmten Kollegen wie Sir Laurence Olivier und Sir Alec Guinness und last but not least von Millionen Filmfans auf der ganzen Welt.

 

Bis heute hat Boris Karloff unzählige posthume Ehrungen erhalten : u.a. zwei Sterne auf dem Walk of Fame in Los Angeles, drei Briefmarken (wie sonst nur US-Präsidenten), zahllose Biografien, drei Ehrenplaketten und zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 1987 eine mehrstündige Ehrung der Oscar-Academy, an der Boris' Witwe Evie, seine amerikanische Tochter Sara Jane Karloff (die ihm frappierend ähnlich sieht !) und seine zwei Enkel Michael und David teilnahmen.

 

43 Jahre nach seinem Tod ist Boris (der im Pass stets William Henry Pratt genannt Boris Karloff hieß) unvergessen, im Internet finden sich fast alle seine Filme, und 2012, ganze 125 Jahre nach seiner Geburt in London-Camberwell, werden seine 3 legendärsten Filme von Universal auf Blu-Ray veröffentlicht.

 

Natürlich sind das "Frankenstein", "Die Mumie" und "Frankensteins Braut".

 

Rhonda Steerer

 

In English (see link above !)

Boris Karloff

British actor Boris Karloff (1887–1969) created a cinematic icon when he played the role of the monster in the 1931 film Frankenstein.

The ghoulish makeup he wore and the lurching walk he adopted in the film have become conventions, even cliches, of horror films. And beyond the individual techniques Karloff used when playing the role of the monster, he created a feeling of sympathy for the character, a technique that has since become a more general trait of successful horror films, whose monsters often gain intensity by fascinating audiences as well as repelling them. Karloff became a star with Frankenstein, which he made when he was already well into middle age. His life up to that point had been colorful, and attracted a host of biographers in spite of his reticence about his personal affairs. After Frankenstein, Karloff made many other films, some of them quite significant. He enjoyed a successful run as a stage actor and became a familiar figure on radio and then television. It was Frankenstein, however, that put his name in lights and led to his being billed, at the height of his fame, simply as "Karloff." That name recognition was something only a few other movie stars have achieved.

Groomed for Government Career

The youngest of nine children, Karloff was born William Henry Pratt on November 23, 1887, in Camberwell, a suburb of London, England. His father, Edward John Pratt, had worked for much of his life in India, as a salt tax administrator for the British colonial government. The elder Pratt married three times; his third wife, Eliza Sara, was Karloff's mother. Her family had lived in India as well, and some have speculated, as a way of explaining Karloff's unusually dark complexion, that she - like Edward - may have been partly of Indian ancestry. Edward Pratt left the family when Karloff was a year old, and he was raised largely by his stepsister Emma. Several of his older brothers entered the British civil service, and some of them followed their father's example and took posts in India. It was assumed that young Karloff would do the same.

Karloff's interests at school ran more to sports and music than to studying, however. His stage debut came in 1896 in a school play, a version of Cinderella. He loved to play and watch cricket, an enthusiasm he held for his entire life. Moving on from Enfield Grammar School to Merchant Taylor's School in London and then to Uppingham Public School in Rutland, Karloff kept on top of his studies and won admission to King's College at the University of London in 1906.

There he took courses that would lead to a place in Britain's diplomatic corps, but he spent more time attending plays in London. He dreamed of a theatrical career himself, but his family ridiculed the idea. In 1909 Karloff found himself frustrated with university studies. He was receiving poor grades and was supremely restless. Deciding to leave Britain, he flipped a coin to decide whether he would go to Canada or Australia. Canada won, and after coming ashore in Montreal in May of 1909, Karloff soon found himself rounding up horses in a field at 4:30 in the morning, having been hired as a farmhand. Karloff soon made his way to western Canada, moving from Banff, Alberta, to Vancouver, British Columbia, paying his way with such jobs as racetrack digger, streetcar track builder, and coal shoveler.

A place on a survey crew with the British Columbia Electric Company brought both a salary raise and an improvement in working conditions for Karloff, but he still nurtured hopes of becoming an actor. Hearing of a job with a troupe called the Jean Russell Players, he took a train to Kamloops, British Columbia, to audition. He devised the stage name Boris Karloff, claiming that Karloff was a name from his mother's family background, and he was quoted as saying in Scott Allen Nollen's book Boris Karloff that he pulled the name Boris "from out of the cold, Canadian air." Karloff claimed to have had experience on stage in England, and was hired. The troupe's managers quickly saw through the ruse and cut his salary in half, but Karloff barnstormed around Canada with the troupe for two years, until a Saskatchewan tornado brought the Jean Russell Players to an abrupt end.

Entered United States

Karloff signed on with another troupe, the St. Clair Players. This job was hardly more lucrative; Karloff recalled having to cook his breakfast by frying an egg on an electric iron propped upside down between a Gideon Bible and a bedpost. But the St. Clair Players did operate on both sides of the border; Karloff entered the United States for the first time via North Dakota in October of 1913, and traveled through the upper Midwest. He left and rejoined the St. Clair group as he found work with other theatrical stock companies, and eked out a living while traveling around the country. When World War I broke out, Karloff volunteered to join the British army but was rejected because of a heart murmur. The St. Clair Players sputtered to a halt for good in 1917, but by that time they had reached Los Angeles, California, landing Karloff at the doorstep of the growing film industry.

Touring with several theater companies in southern California, Karloff began appearing as an extra in films. His first film credit may have been for His Majesty, the American, starring Douglas Fairbanks, in 1919; he appeared in several dozen films during the silent era, and his memory of the very earliest ones was hazy. By the early 1920s he was finding consistent film work, often playing Native Americans, Mexicans, or Asian characters as a result of his exotic looks—at the time, Hollywood films were virtually an all-white preserve. Even after several years of working in the lower levels of the industry, Karloff saw few prospects of a breakthrough, and took a job in 1923 unloading giant putty casks from a building materials truck. He had married musician Montana Laurena Williams in 1920, after a first marriage, to English born Grace Harding, ended in divorce sometime after 1912. Karloff married dancer Helene Vivian Soule in 1924, Los Angeles librarian Dorothy Stine in 1930 (his only child Sara Jane was born on his 51st birthday), and English-born Evelyn Hope Helmore in 1946.

After meeting with silent film horror star Lon Chaney Sr. in the late 1920s, Karloff received some much-needed encouragement. Chaney (as quoted by Nollen) told him that "the secret of success in Hollywood lies in being different from anyone else. Find something no one else can or will do—and they'll begin to take notice of you. Hollywood is full of competent actors. What the screen needs is individuality!" Karloff took the advice to heart, stepping into negative roles. His career took a step up with a role in Scarface under director Howard Hawks in 1931, and later that year he was sitting in a Universal Studios lunchroom when English-born director James Whale, in the process of casting Frankenstein, noticed him and envisioned him in the role of the monster.

Karloff got the part after Bela Lugosi turned it down to pursue another project, and he became a major star almost overnight. The film was a tremendous box office success, touched off a vogue for horror films that lasted through much of the 1930s, and was soon hailed as a classic. Three-quarters of a century later the film still held up well, largely thanks to the strongly human qualities of Karloff's performance. "There are more moments of quiet power (most of them involving the strikingly effective Boris Karloff as the monster who simply wants to be loved) than you'll find in a fistful of big-budget horror films," noted Dan Jardine in the All Movie Guide. Karloff wore several pounds of makeup and donned heavy asphalt shoes that gave the monster his characteristic gait.

Made Over $3,000 a Week

Karloff signed a contract with Universal Studios that gave him a salary of $750 a week in 1932. After several more hits, including The Mask of Fu Manchu (1932) and The Black Cat (1934, with Lugosi), his weekly salary had risen to $3,750. He earned his keep, making nine films during 1932 alone. His films varied in quality, but his elegant variations on the persona he had established with Frankenstein made them consistently compelling. Karloff and his wife Dorothy moved out of what they described as a shack in Laurel Canyon into a series of increasingly elegant lodgings, culminating in a mansion in the Coldwater Canyon area, where Karloff could indulge his passion for gardening. He also amassed a collection of unusual pets that included a tortoise, a parrot, egg-laying chickens, a cow named Elsie, a four-hundred-pound pig, and several dogs, two of which were named Angus Dei and Silly Bitch. Even as he personally experienced tremendous success, Karloff emerged as an advocate for the welfare of actors who labored in the trenches, as he had for so long. In 1933 he became a co-founder of the Screen Actors Guild union.

Often bemused by the Frankenstein phenomenon, Karloff also had a certain affection for the monster and was reluctant to make sequels that would degrade the impact of the original film. He made one, Bride of Frankenstein, in 1935, and another, Son of Frankenstein, in 1938, in the year his only child, daughter Sara, was born. In 1941 he returned to the stage, starring in the original Broadway production of the comic horror play Arsenic and Old Lace, and going on tour with the company as it toured 66 cities during World War II. During the war years Karloff also edited two best-selling collections of horror and suspense stories, Tales of Terror and And the Darkness Falls.

Karloff made numerous films after the war, but he became increasingly known for his work on radio and television. He hosted the radio program Starring Boris Karloff beginning in 1949, and the show successfully made the transition to television in the early 1950s. Two 1950 projects, the radio show Boris Karloff's Treasure Chest and the Broadway show Peter Pan, demonstrated Karloff's appeal to children and opened up a successful career avenue for him in his later years. Karloff and his wife Evelyn moved to New York in 1951, eventually taking up residence in the Dakota apartment building.

Continuing to find joy and energy in performing, as he had since his youth, Karloff remained busy as an actor until his last days. Broadening his repertoire well beyond horror, he appeared on Broadway in The Lark in 1955 and was nominated for an Antoinette Perry (Tony) Award. Beginning the following year and continuing until 1968, Karloff recorded a daily radio program, Tales from the Reader's Digest. In 1962 he earned a Grammy nomination in the children's recordings category for his LP Rudyard Kipling's Other Just So Stories: The Cat Who Walked by Himself, and in 1966 Karloff narrated an animated television special, How the Grinch Stole Christmas. A broadcast of the program became an annual tradition, and Karloff became almost as familiar to baby-boomers for that role as he was for Frankenstein.

Karloff never took American citizenship. He lived with his wife in London during his last years, returning to the United States to work on projects in concentrated bursts. Among the most interesting products of his later years was the 1967 film Targets, directed by Peter Bogdanovich and starring Karloff as an aging horror film star who wants to retire because he finds the real world more horrifying than anything in the movies. Karloff continued to work on new films despite poor health; his last film was Chamber of Fear (1968), made in Mexico. He died in a hospital in Midhurst, Sussex, England, on February 2, 1969.

 

(A copyrighted article, see link above)

 

New Biography by Stephen Jacobs
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Boris Karloff 1887-1969
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